Otto Pfeiffer 1882 - 1955

 

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Durch seine Tochter Margarethe Gerth-Pfeiffer

 

Otto Pfeiffer wurde am 5. November 1882 in Mulhause im Elsass geboren.
Schon früh ließ der kleine Junge erkennen, dass er an Spielzeug und Spielen keinen Spaß hatte. Einzig Bleistift und Papier interessierten ihn und bald sprach man von einem Wunderkind, denn der erst Dreijährige zeichnete und malte unentwegt.
Leider war der Vater, vom offensichtlichen Talent seines Sohnes keineswegs begeistert. Zwar bewunderte er die Kunst im Allgemeinen, doch missfiel ihm der angebliche Lebenswandel der meisten Künstler. Er verbot also dem Kind das Zeichnen und machte die Mutter dafür verantwortlich, dass sie das Einhalten des Verbots kontrollierte.
Für Mutter und Kind begann eine schwere Zeit. Sie war einerseits eine sehr liebe und fromme Frau, die nur ungern gegen die Wünsche ihres Mannes handeln wollte. Anderseits tat ihr der kleine Sohn so leid, denn er weinte nach seinen Bleistiften und dem Papier. Otto wurde älter und begann mir der Schule. Es erfüllte ihn mit Bitterkeit, dass er seine Kreativität vor dem Vater geheim halten mußte. Es gibt aus dieser Zeit ein Bild, auf dem seine malerische Fertigkeit ganz deutlich zu erkennen ist. Mit acht Jahren malte er einen Blumenstrauß, um ihn einer Tante zum Geburtstag zu schenken. Diese Tante übergab Margarethe das Bild viele Jahre später. Dieses Bild ist jetzt ausgestellt im Otto Pfeiffer Museum.
Otto machte es sich zur Gewohnheit, regelmäßig ins Museum zu gehen um dort verschiedenste Gemälde zu kopieren. Er begann ein Bild des ungarischen Malers Michael Munkáscy zu kopieren. "Christus vor Pilatus" gelang ihm so ausgezeichnet, dass er daraufhin zwei erstaunliche Angebote erhielt. Ein Dresdener Kunstprofessor eröffnete dem Vater, dass der Sohn auf Kosten der Stadt Dresden bei ihm studieren könne. Das zweite Angebot kam von einer römischen Familie, die Otto zu sich zunehmen gedachte und ihm das Kunststudium in Rom finanzieren wollte. Beide Offerten lehnte der Vater ab. Dieser Vorfall beeindruckte die Mutter Ottos zu tiefst. Sie hatte die Überzeugung, daß sich "sein Talent nicht aufhalten lässt" und entschloss sich deshalb, für den Sohn ein Zimmer zu mieten und ihn vorerst finanziell zu unterstützen, damit er sich endlich unabhängig machen und sich auf seine künstlerische Laufbahn konzentrieren konnte.
Otto schenkte seiner Mutter das Bild 'Christus vor Pilatus' zum Abschied und verließ so mit vierzehn Jahren das Elternhaus.....Befreit von den Verboten des Vaters belegte er nun Kurse in der Zeichenschule von Mulhouse. Später schrieb er sich in der ' Beaux Arts' in Strassburg ein. Unter der Leitung der Professoren Klaus und Martin lernte er schnell und beeindruckte durch seinen Fleiß und sein Talent. Den Lebensunterhalt musste er sich allein finanzieren, denn der gestrenge Vater kontrollierte die Finanzen der Familie und die Mutter konnte deshalb nicht länger aushelfen.
Ganz auf sich selbst gestellt, studierte er also tagsüber und bemalte in der Nacht Damenfächer, die damals große Mode waren. Außerdem restaurierte er Bilder. Nach drei Jahren musste der erschöpfte Otto einsehen, dass er diese Doppelbelastung gesundheitlich nicht mehr ertragen konnte. Seine Professoren boten ihm finanzielle Unterstützung an, die Otto aber nicht annehmen wollte. Daraufhin wandten sie sich brieflich an den Vater, von dem sie einen Kredit für den Sohn erbaten.
Ihr Argument, dass Otto nach der Ausbildung mit hundertprozentiger Garantie eine Anstellung finden würde und das geborgte Geld zurückzahlen könne, beeindruckte den Vater nicht, und er antwortete nur mit vier Worten „Laßt mich in Ruh“. Wieder hatte der Vater sein strenges Urteil gesprochen und Otto musste die Akademie verlassen, denn er fühlte sich nicht imstande fremdes Geld anzunehmen.
Und doch kehrte er voller Selbstvertrauen mit seiner jungen Frau und Sohn Willi nach Mulhousen zurück. Das Können, das er erworben hatte, verlieh ihm Sicherheit und Zuversicht.
Wie sehr sein Talent von anderen jungen Malern gefürchtet wurde, lässt folgende Anekdote erkennen.
Während dieser Zeit wollte Otto, nebst vielen anderen, an einem Malwettbewerb teilnehmen.
Man munkelte allerseits, dass der Pfeiffer den Preis ganz sicher gewinnen würde.
Dies veranlaßte einen ehrgeizigen Kollegen, Otto zu einem Ausflug zu bewegen. Man wollte schwimmen gehen. Auf Ottos Protest hin, dass er doch gar nicht schwimmen konnte, entgegnete der Kollege, dass er auch nicht schwimmen könne und dass das Wasser sowieso gar nicht tief sei. Otto ging also mit und wurde vom anderen weiter und weiter in den Teich gelockt. Als Otto rief „Es wird zu tief“, erwiderte der andere: 'Nein, schau doch, ich kann noch stehen'. Mit dem nächsten Schritt kam Otto ins tiefe Wasser, wo er keinen Fuß mehr fassen konnte. Ein Wanderbursche, der das Geschehen beobachtet hatte, rettete Otto vor dem Ertrinken.
Er war durch diesen Vorfall sehr erschüttert und zog seine Teilnahme an dem Wettbewerb wieder zurück.
Die Wiener Zeit: Obwohl sich Otto in Mulhause gerne niederlassen wollte, dort hatte er auch geheiratet und als Chef d'Atelier sein gutes Einkommen, lag die gestörte Beziehung zum Vater wie eine dunkle Wolke auf seinem Leben und veranlaßte ihn, sich nach anderen Arbeitsmöglichkeiten in anderen Städten umzusehen.
Er hatte schon zuvor während der Fächermalerei sein Talent als Designer entdeckt und beschloss sich bei der Firma G. A. Fröhlich und Söhne in Wien zu bewerben. Dies geschah am 17. Juli 1907 und am 20. Juli machte man ihm ein großzügiges Angebot mit einem Monatsgehalt von dreihundertfünfzig Goldmark.

Die finanzielle Bedürfnisse seiner wachsenden Familie lagen Otto am Herzen und er nahm die Offerte freudig an, da er nicht sicher sein konnte, dass durch den Verkauf seiner Bilder allein ein Einkommen garantiert wäre. Wien und der große Erfolg erwarteten ihn. Otto kam als junger Mann von fünfundzwanzig Jahren in diese schöne Stadt und seine junge Frau begleitete Ihn bei diesem hoffnungsvollen Aufbruch in ein neues Leben.
Er machte sich bald einen Namen als Modedesigner und seine Firma fürchtete, dasß man ihr das junge Talent abwerben oder abkaufen würde. Als man Otto deshalb in der Chefetage vorsprechen ließ, war dieser auf das Gespräch bestens vorbereitet und stellte seine neuen Arbeitsbedingungen. Er wollte jährlich zwei Monate bezahlten Urlaub nehmen dürfen, um in Italien ungestört zeichnen und malen zu können.
Seinerseits versicherte er der Firma, daß für die fortlaufende Produktion während dieser zwei Monate Abwesenheit gesorgt sei - er öffnete seine Schubladen und zeigte die Vielzahl von Entwürfen vor.
Und so geschah es dann auch. Otto mahlte die sonnigsten Bilder auf den Cornaten-Inseln in Dalmatien und als er nach Wien zurückkehrte, wartete schon der Verein der Bildenden Künste, um die Gemälde in Wien auszustellen und zu verkaufen. Auch in der Akademie war Otto ein angesehener Gast. Die Professoren schätzten ihn und entdeckten und förderten sein Talent als Tiermaler. Der geborene Tierliebhaber freute sich über die Vermittlung eines ganz großen Auftrages: ein Amerikaner hatte ein Vollblütler gekauft und wollte nun sein Pferd auf einem Gemälde Verewigt sehen. Gewisse Bedingungen waren an den Kauf des Bildes geknüpft. Erstens musste das fertige Gemälde von den Professoren der Akademie für gut befunden werden. Zweitens sollte es mit dem schnellsten und besten Dampfer verschifft und bei der besten
Versicherungsfirma, der Phönix, versichert werden. Drittens sollte der Maler erst nach Ankunft des Gemäldes in den Vereinigten Staaten vergütet werden.
Otto machte sich an die Arbeit und malte das lebensgroße Bild. Eines Abends wurde er jedoch mit einer Einladung überrascht: Abend Gardarobe war erwünscht, allerdings blieb das Ziel des Ausfluges vorläufig ein Geheimnis. Ein Fiaker brachte ihn endlich zur Akademie, wo die Professoren auf ihn warteten und man ihn unter Applaus zu einem, mit einem Lorbeerkranz umrankten Pferdegemälde, führte.
Otto war zu Tränen gerührt und erzählte noch in späteren Jahren wie das Pferd zu ihm kam.
Ich spürte seine Wärme, seinen Kopf und alle Anwesenden nahmen an diesem einzigartigen Zusammentreffen teil.
Mit dieser Anerkennung durch die Professoren der Akademie war sein Ruf als Pferdemaler besiegelt.
Das Bild ging jetzt auf die große Reise nach Amerika auf dem besten Dampfer der damaligen Zeit - der Titanic. Wo diese Reise endete ist bekannt. Die Unterstutzung der Professoren der Akademie, die zahlreiche Aufträge, die erfolgreichen Ausstellungen und der berufliche Erfolg als Modedesigner - all dieses setzte Zeichen, die dem ernsten Otto Pfeiffer das Leben hatten leichter machen sollen. Seit Ende der schweren Jugend und dem Verlassen des Elternhauses arbeitete er täglich gegen die Vorurteile des Vaters.
Das Leben in Haida Die Wiener Periode näherte sich ihrem Ende. Das dritte Kind wurde in Haida geboren. Die Geburt der Tochter Margarethe 1910 war Anlass zu großer Freude gewesen und Otto erzählte später immer wieder gerne, daß er am liebsten auf dem Stephansdom gestiegen wäre, um ganz Wien von dem Ereignis zu erzählen. Diese Freude blieb bestehen, und Vater und Tochter hatten ein Leben lang ein besonders inniges Verhältnis zu einander. Die sonnigen Zeiten verzogen sich jedoch. Im Jahre 1914 diagnostizierte man Ihm eine schwere Kopfkrankheit und riet Otto an, dass er Wien dringend verlassen müsse. Das Klima sei für ihn ungesund und nur die reine Landluft konnte Heilung verschaffen. Durch Zufall lernte er in dieser Zeit einen Bekannten kennen, der im kleinen Städtchen Haida wohnte und der das dortige sonnige Klima und die ruhige Landschaft lobte.
Otto reiste nach Haida und kam begeistert zurück. In Haida würde er bestimmt Heilung finden !

Ottos Frau war keineswegs entzückt bei der Vorstellung, das schöne Wien mit einer Kleinstadt einzutauschen. Otto hatte mit seiner Firma vereinbart, dass er weiterhin Entwurfe nach Wien senden würde, doch durchkreuzte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges alle weiteren künstlerischen und geschäftlichen Pläne. Trotz seiner Kopfkrankheit wurde auch Otto eingezogen, und sein Protest bewirkte, dass man wegen Kriegsdienstverweigerung gerichtliche Schritte gegen ihn einleitete. Zu seinem Glück erkannte der zuständige Militärarzt die Symptome der schweren Neurasthenie und verordnete, dass Otto nur in seinem erlernten Beruf einzusetzen sei. So erhielt Otto den Auftrag, Bilder der Länder zu malen, in denen der Krieg stattfand.
Auf diese weise reiste er nach Polen, Russland, Belgien und Frankreich. Die fertigen Gemälde wurden ins Kriegsarchiv nach Berlin geschickt. Keines dieser Bilder ist erhalten geblieben. Nach Ende des Krieges kam Otto in ein verarmtes Zuhause zurück. Die Mutter mußte für sich und drei Kinder sorgen und hatte alles mögliche bei den Bauern gegen Esswaren eingetauscht.

Überhaupt war der Hunger Küchenmeister geworden und ich erinnere mich noch gut an die Meutereien der Soldaten, die das Vieh der Bauern aus den Ställen holten und die Bauernhöfe der Umgebung anzündeten.
Unsere Villa lag auf einem Hügel, von dem aus man die Brände im Tal beobachten konnte. Es war ein schrecklicher Anblick für uns Kinder, doch ging auch diese Zeit vorbei. Die Familie war wieder vereint. Der Neuaufbau begann. Ein neuer Staat wurde gegründet und Haida gehörte nun der Tschechoslowakei an.
Otto gründete ein Atelier für Glasmalerei, suchte sich ausgezeichnete Künstler und produzierte ganz exklusive Stücke. Allerdings hatte niemand Ihn darauf aufmerksam gemacht, daß er für dieses neue Unternehmen weder eine Lizenz noch die richtige Papiere besaß.

Sein Erfolg bei dieser Arbeit bewirkte äußerst negative Reaktionen in der Stadt Haida. Als er im Jahr 1914 angekommen war, hatte sich die haute volee(das Bürgertum) geehrt gefühlt, den bekannten Künstler unter sich weilen zu wissen.
Es folgten Einladungen auf Einladungen. Sein Erfolg nach Kriegsende änderte die Situation: man gönnte ihm nicht den schnellen Aufstieg und schätzte keineswegs die Konkurrenz , die er mit seinem Können darstellte. Otto bestand jedoch auf seinem neu gefundenen Interesse an der Veredelung von Glass und bevorzugte besonders Motive aus der Mythologie und der Geschichte.
Otto wurde mit seiner Glasmalerei weltbekannt nachdem er ein einziges Mal die Leipziger Messe besuchte. Seine Kundenaufträge kamen aus Amerika, Frankreich und Italien.
Damit erweckte er den Neid der Industrie und Glasmaler, die sich überlegten, wie man den Pfeiffer ausschalten könne. Bald kam ihnen die Lösung: Der Stadtrat von Haida ließ das Atelier ohne Rücksicht auf die gerade stattfindende Produktion kostbarer Stücke sofort schließen. Und ohne Lizenz und Papiere blieb das Atelier bis auf Weiteres polizeilich geschlossen.
Nach sechs Wochen hatte Otto jedoch eine Lösung gefunden. Einer seiner Maler fungierte als Strohmann und gab seinen Namen als Besitzer des Betriebes an. Die Produktion konnte weitergehen. Otto blieb vom gesellschaftlichen Haida ausgeschlossen , doch ertrug er die Schmähung gerne, seine Maler standen hinter ihm und seiner Leidenschaft für die Glasmalerei war durch die Erniedrigung kein Abbruch getan. Der Vater hatte für die Familie ein schönes Haus gebaut und einen herrlichen Garten angelegt. Das Anlegen dieses Gartens dauerte sieben lange Jahre, denn der Boden war anfangs sehr schlecht. Tag für Tag musste ein Arbeiter auf dem großen Grundstück die Erde aufgraben und umsetzen. Kartoffeln und Mais wurden gepflanzt, um die Erde aufzulockern und neue Erde zu gewinnen. Mit dem Auto wurden Steine angefahren, die Erdaufwürfe wurden damit befestigt, dazwischen setzte man Steinpflanzen, die dem Anwesen eine Farbenpracht verliehen und die man schon aus der Ferne sehen konnte.
Ich regte den Vater an, diese Herrlichkeiten doch zu malen und nannte die Bilder seine Stein-Bilder.
Es gab eigentlich kein Beginn und kein Ende in diesen Bildern und die Motive verliefen in den Rahmen hinein.
Eine Galerie Richter in Dresden kaufte die Serie auf.
Ich war inzwischen zwanzig Jahre alt geworden und arbeitete als Aushilfslehrerin in Prag. Ich nutzte meine Zeit dort, um mit verschiedenen Künstlern Bekanntschaft zu schließen. Dem Porträtisten Hoffman zeigte ich Vaters Arbeiten und er stimmte mit mir überein, dass Otto Pfeiffer endlich die Glasmalerei aufgeben und das Malen wieder aufnehmen sollte. Nach meiner Rückkehr nach Haida versuchte ich den Vater von meiner Auffassung zu überzeugen. Allen Befürchtungen zum Trotz -es war schließlich die Zeit der großere Arbeitslosigkeit und Armut - schloss er also das Atelier und kam mit mir nach Prag. Die Prager Zeit. Auf einen Schlag trug ich die Verantwortung für den Vater. Schließlich hatte ich ihn dazu angeregt, seinen Beruf aufzugeben, mit dem er die Familie gut ernährten konnte. Ich empfand die Last dieser Verantwortung, doch glaubte ich unerschütterlich an seine Kunst - und dieses Gefühl galt es dem Vater zu übermitteln.
Ich zeigte einem gewissen Herrn Klein einige Arbeiten Otto Pfeiffers, was unmittelbar zu einem Auftrag führte. Leider handelte es sich um ein Stilleben, was nicht unbedingt zu Vaters Stärken gehörte. Dem fertigen Gemälde fehlte dann auch etwas und ich brachte das Stück mit einem unguten Gefühl zu Herrn Klein.
Dieser sagte kein Wort und ich bat um eine Schere und begann das Bild zu zerschneiden. Herr Klein war sprachlos und als ich die Arbeit beendet hatte, fragte er: "Und was jetzt ?". Ich schlug vor, dass er jedes einzelne ausgeschnittene Teil mit einem Barockrahmen versehen sollte, um sie einzeln zu verkaufen.
Denn jedes kleine Teil war ein Kunstwerk für sich. Und so geschah es dann auch. Ich bekam mein Geld ausbezahlt und Herr Klein verkaufte die Bildchen. Die Zusammenarbeit mit Herrn Klein wurde fruchtbar. Eine zweite wichtige Kontaktperson war ein gewisser Herr Monzak. Er war in der Prager Kunstwelt eine Instanz.
Sein Urteil war absolut und so unterstützte er entweder seine Schützlinge bedingungslos, ließ sie aber auch gnadenlos fallen, wenn er es für richtig hielt. Ich begab mich auf den Weg zu ihm, um ihm eine Pfeiffer-Komposition von Tieren und Vögeln zu zeigen. Es war bekannt, dass er in der Regel niemanden empfing.
Ich ließ also das Bild durch eine Sekretärin zeigen. Auf einmal öffnete sich die Tür und ich wurde hinein gebeten. Er kam strahlend auf mich zu, umarmte mich und sagte: "Bringen Sie mich schnell zu diesem Künstler".
Ich habe noch heute einen Brief, worin Herr Monzak schreibt, dass 'ich Ihren Vater als Meister betrachte, der das komponieren sehr schnell lernen wird'. Herr Monzak war vor allem an den Jagdszenen interessiert und so saß er drei Jahre lang fast täglich hinter meinem Vater an der Staffelei und beobachtete den Maler bei der Arbeit.
Oft versorgte er ihn mit toten Fasanen und Rebhühnern, um den Künstler mit Motiven zu versorgen.
Obwohl es Otto eigentlich in die Natur zog und er in Prag hauptsachlich Atelierarbeit anfertigte, gefiel ihm das Malen dieser Jagdszenen, denn es überschnitt sich mit seinem Interesse an Tieren und Natur. Otto malte auch viele Blumenbilder. Ich suchte den Kunstsachverständigen des Präsidenten Masaryk auf, einen gewissen Dr. Strenard, der für Ankäufe verantwortlich war. Ich zeigte ihm ein Blumenbild, für das er sich sehr interessierte. Auf der Rückseite stand geschrieben: "Dieses Bild ist in seiner Technik und Komposition fehlerlos". ". Gezeichnet 'Monzak'. Auf seine Verwunderung hin erklärte ich, dass in der Kunst mehr als nur die Kunst eine Rolle spielte, das Herr Monzak schon einen Namen hatte und das mein Vater sich noch einen Namen machen musste. Strenard lachte und versprach, die Angelegenheit mit dem Präsidenten zu bereden.
Das Bild wurde gekauft und dazu noch ein weiteres Landschaftsbild. Beide wurden auf Verlangen des Präsidenten in einem Museum ausgestellt. So wurde Pfeiffer in Prag bekannt und machte sich langsam einen Namen. Auch sein Ruf als gutherziger Mann verbreitete sich.

Ein junger, arbeitsloser Mann bat ihn, Postkarten zu bemalen und seine Signatur darunter zu setzen, damit er die Kärtchen von Haus zu Haus verkaufen und etwas verdienen konnte. Otto kannte den fleißigen Menschen und beschloss, dass er ihm einen Tag in der Woche schenken würde.
Also malte Otto ohne einen Gegenlohn, bis der junge Mann wieder eine feste Anstellung gefunden hatte. Wahrend dieser Zeit passierte es auch, dass die Karten in einem Büro gezeigt wurden. Der Inhaber, ein gewisser Herr Suchy, der den Künstler unbedingt kennen lernen wollte, fuhr nach Haida, nur um festzustellen, da sich Otto Pfeiffer an diesen Tag in Prag befand. Man traf die Vereinbarung, dass man sich im Hotel Stroubek treffen wollte - Erkennungszeichen eine Nelke im Knopfloch. Vater und ich vergaßen das Treffen am bezeichneten Tage beinahe und hatten natürlich keine Nelke im Haus. Otto malte schnell eine Nelke, steckte sich das Papier ans Revers und wir machten uns auf den Weg.
Die Nelke verursachte allseits sofort großes Gelächter und Herr Suchy wurde der beste Freund und Kunstliebhaber meines Vaters. Nun begann eine schöne Zeit für Otto Pfeiffer. Er erhielt viele Aufträge und malte mehrere Wochen des Jahres im Hause eines Großgrundbesitzers, der auch Zentraldirektor der Domanen des Fürsten Thun war. Ich begleitete meinen Vater zu diesen Aufenthalten. Durch Herrn Suchys Bekannte kamen weitere Aufträge. Meistens handelte es sich um Pferdebilder. Herr Suchy selbst hatte inzwischen eine große Sammlung von etwa sechzig Pferdebildern.
Nach dem Kriege musste Herr Suchy sein Zuhause verlassen, doch konnte er seine Bilder auf offenen Wagen im strömenden Regen mitnehmen. Holland: Nach drei Jahren guten Schaffens in Prag entschloß ich mich für eine Ortsveränderung. In Prag kannte man Otto Pfeiffer, doch die eigene Heimat, dass Elsass, musste nun als nächstes erobert werden. Auf der Fahrt ins Elsass schlug Otto vor, ein paar Verwandte in Karlsruhe zu besuchen und die Reise auf diese Weise kurz zu unterbrechen.
Die Verwandten wohnten in der Nähe eines Ortes, der Otto auf einmal grenzenlos faszinierte - ein Schlachthof. Ich war entsetzt, als er dort Tag für Tag malte und ließ ihn in Karlsruhe zurück, um selber nach Amsterdam zu fahren und mir das Reichsmuseum und verschiedene Galerien anzuschauen.
Gleich in den ersten Tagen lernte ich dort meinen zukünftigen Mann kennen, was unser aller Leben natürlich erheblich komplizieren sollte. Fest entschlossen diesem Wendepunkt Rechnung zu tragen, fuhr ich nach Karlsruhe zurück und erzählte meinem Vater von dem schönen Holland, in dem die Weite des Himmels dem Maler ein Gefühl von Unendlichkeit geben könnte. Der Vater war sofort einverstanden, denn er liebte die Landschaften jedes Landes.
Und so malte er dann die Kühe auf den Weiden und auf den Bauernhöfen. In Volendam interessierten ihn die Fischer und ihre verwitterten Gesichter, die von den Stürmen und der Not auf dem Meer erzählten.
Er malte die Dünen, die vom Nebel bedeckt waren, er malte die Sonne, die durch die Wolken am Himmel brach.
Er wusste diese Momente so festzuhalten, dass man schweigen musste, um die Vollkommenheit der Gemälde ganz in sich aufzunehmen. Die meisten dieser Dünenbilder sind verloren gegangen, ich konnte nur eines wieder finden und zurückkaufen.
Durch meinen Verlobten, dar damals Schüler von Martin Monnikendam war, lernte mein Vater den Meister kennen. Die beiden befreundeten sich schnell und achteten die Arbeiten des anderen. Eine geplante Ausstellung ließ sich wegen Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht mehr realisieren und Otto Pfeiffer kehrte nach Haida zurück.
Der Künstler und seine Kunst: Mein Vater hatte wenig Farben auf der Palette und immer wieder hörte ich die folgende Frage: ' Wie können Sie denn die herrliche Farbtöne produzieren, wenn Sie doch nur mit so wenigen Farben arbeiten?' Die Antwort war schwer, denn Otto Pfeiffer mengte keine Farben. Er trug aus der Tube die Farben rein auf die Leinwand, und darum nannte man ihn einen virtuosen Maler der Farben. Die Palette war nur für das Mischen mit Farben und Trockenmitteln nötig.
Ich hatte dabei die Aufgabe, die Farbe schön nach oben zu schieben, die Pinsel zu waschen und die Palette zu säubern. Sein erklärtes Ziel war es, die Wirklichkeit wiederzugeben - so naturgetreu und korrekt wie möglich.
Er respektierte die Akademie und riet seine Schülern an, die alten Meister in den Museen gründlichst zu studieren. Vor allem aber sollten sie in die Natur gehen uns das Anschauen lernen. Otto Pfeiffer warnte vor falschen Eitelkeiten und vor dem Gefühl der Überlegenheit, dass die eigene Entwicklung hindern könnte.
Ich erinnere mich an eine Begebenheit in Muhlhause, als wir vom Portier des Museums erkannt wurden. Dieser rief uns zu: 'Otto, Du?' Geh' mal nach oben, dort arbeitet Herbert.
Er kommt nicht vorwärts, er ist so eingebildet geworden, dass er dadurch nicht mehr weiter kommt. Oben stand ein stolzer Mann mit einer blau weiß gepunkteten Schleife und einem schwarzen, großen Hut. Als Kind kam mir das ganz merkwürdig vor. Er freute sich über den Besuch meines Vaters, der ihm sofort bei einem Problem behilflich war. Da standen sie nun - der große Mann und mein kleiner Vater, der nur ein Meter dreiundsechzig maß. Otto Pfeiffer erzählte sehr gerne. Er sprach zwar wenig über sein enormes Können, doch seinen Geschichten hörte man immer gerne zu. Am liebsten saß er im Winter am offenen Feuer.
Ich spielte meine Laute und er sang oder erzählte und Alt und Jung lauschten gespannt. Wenn dann noch draußen der Schnee fiel, war es wieder ein unvergesslicher Abend geworden.
Der Tierliebhaber: Otto war ein sehr vielseitiger Mensch mit den verschiedensten Interessen, die er - wie die Astrologie - teilweise mit niemandem teilen konnte. Andere wieder - wie die Liebe zu den Tieren - fanden in der Gemeinschaft großen Anklang.
Er gründete in Haida einen Kleintier- Zuchtverein, schrieb und hielt Vorträge über das Verhalten der Tiere. Regelmäßig fuhr er zur Kur nach Kersitten, wo er auch Vögel beobachtete. Eines Tages veranlaßte er, dass meine Mutter und ich zur Großmutter fahren sollten. Er hätte etwas vor. Als wir nach verabredeter Zeit einige Wochen später zurückkehrten, hörten wir schon auf dem Flur das Zwitschern vieler Vögel und das Quaken zweier Laubfrösche. Vater hatte zwei Zimmer ausgeräumt und dort die Tiere einquartiert.
Die Vögel wurden zur Sensation: dreißig verschiedene Arten wie Finken, Stieglitze, Meisen, Rothkehlchen und Gimpel. Die Königin darunter war eine spanische Nachtigall, für die die ganze Konstruktion eigentlich gedacht war. An der Frontseite des Zimmers hatte Vater eine runde Scheibe angebracht, die er als Mond bemalte, dahinter gab es ein Licht. Abends in der Dunkelheit brannte das Mondlicht und die Nachtigall saß auf einem eigens davor angebrachten Zweig und schlug selbst im tiefsten Winter. Freunde kamen und staunten. Das Experiment ging aber weiter. Vater fütterte die Vögel nur zwischen den Fenstern. Sie wussten also, wo sie hinfliegen mussten.
Im Frühjahr öffnete Vater die Fenster und ließ die Vogel hinaus mit den Worten: 'Hinaus mit euch, aber vergesst nicht, wo euer Zuhause ist'. Sie kamen alle regelmassig zum Fenster zurückgeflogen und auch wieder zurück in das Zimmer. Die Zeitungen standen voll von dieser ungewöhnlichen Begebenheit. Das Ende dieser Episode war allerdings weniger schön: wir saßen eines Tages gerade beim Mittagessen, als ein Nachbar zur Tür herein kam.

Mein Vater hatte im Verein immer wieder gewarnt, dass man in der Kirschenzeit die Vögel nicht erschießen sollte, doch dieser Nachbar hatte den Rat nicht befolgt und stand nun bedrückt mit einem kleinen tragischen Päckchen in der Hand vor uns. Vater war so tief getroffen vom Tod der Nachtigal, dass er noch am selben Tag alle Vögel herschenkte und das Experiment beendete. Für seinen Gartenteich bestellte er Enten aus dem Hamburger Zoo Hagenbeck. Hagenbeck befürchtete, dass die Tiere im Handumdrehen wieder nach Hamburg fliegen würden, wenn man ihnen nicht die Flügel stützen würde.
Vater jedoch wollte dieses Risiko auf sich nehmen. Die Enten kamen in einer Kiste mit Luftlöchern an, und er wollte mit ihnen zwei bis drei Stunden alleine sein. Das ganze Haus musste ruhig sein, keiner durfte nur eine Bewegung machen. Nach zwei Stunden ging auf einmal die Tür auf und die Enten kamen schnatternd in den Garten gewatschelt. Sie setzten an und flogen hoch in die Luft, flogen in großem Kreise um das Grundstück und ließen sich auf dem Teich nieder. Das Experiment war gelungen.
Stolz schrieb Vater den Hagenbecks: „Die Enten werden nicht zu Euch zurück kommen“.
Eines Tages jedoch waren die Tiere verschwunden. Der Vater verlor seine Zuversicht nicht und wartete geduldig. Wie Vater voraus gesagt hatte, kamen sie eines Tages mitsamt ihren kleinen Neugeborenen zurück und zeigten uns stolz den Nachwuchs. Im Winter ging der Vater die Vogelhäuschen kontrollieren, da er befürchtete, dass schmutzige Futterplätze Krankheiten verursachen könnten. Ich weiß noch, wie übertrieben ich das alles fand, doch er legte großen Wert darauf. Courbet und CorotMan hat Otto Pfeiffer schon oft mit Courbet und Corot verglichen. Ich wollte selber sehen, inwiefern ein solcher Vergleich gerechtfertigt war und reiste daher nach Paris. Ein Gemälde fiel mir auf:
kämpfende Hirsche im Großformat. Ich besitze ein Bild mit Wildschweinen, was eine gewisse Seelenverwandtschaft zwischen den Malern erkennen läßt. Die dunklen Farben finden sich wieder, die Technik und die Darstellung der Tiere…….. Und doch bin ich mir ganz sicher, dass sich mein Vater Courbet nicht als Vorbild genommen hatte. Auch wenn er seine Kollegen bewunderte, ging er ja ganz seinen eigenen Weg in der Kunst. Er malte naturgetreu und so wurden manche Bilder erst ein Jahr nach Beginn fertig gestellt, denn die Stimmung konnte zunächst nicht korrekt wiedergegeben werden.
Wenn man seine Bilder anschaut, vergisst man, dass man sich in einem Saal oder einem Zimmer befindet - so sehr versetzt er einen in die Natur! Natürlich befasste er sich auch mit den zeitgenössischen Strömungen der Kunst, doch störte er sich nicht weiter an den neuen Entwickelungen.
Er wollte nach seiner eigenen Überzeugung malen und das bedeutete bei ihm Naturtreue.
Damit ist allerdings nicht gesagt, dass er seine Technik im Laufe der Zeit nicht änderte. Bei den neununddreißig Bildern, die ich besitze, sieht man gewisse Veränderungen ganz deutlich. Man nannte und nennt Otto Pfeiffer einen inspirierten Realisten.

Abschied von Haida - Ankunft im Elsaß Nach fünfunddreißig Jahren als selbstständiger Kunstmaler und Designer im eigenen Atelier musste Otto Pfeiffer nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Eigenständigkeit aufgeben.
Als früheren 'Liebling' der böhmischen Elite und Gesellschaftsmaler passte er nicht in den Nachkriegsstaat hinein. Im Dienste des tschechischen Staats wurde ihm auferlegt, für die Glasfabriken in Haida Entwürfe zu gestalten. Er fügte sich seinem Schicksal und ging dafür sonntags mit seiner Staffelei in die Natur hinaus, malte nach Herzenslust und ergötzte sich an der Natur, um all seine Sorgen wenigstens kurzzeitig zu vergessen. Das wurde ihm Übel genommen und man sagte: 'Wenn sie auch noch sonntags arbeiten wollen, Herr Pfeiffer, dann können Sie auch noch für andere Fabriken Entwürfe gestalten.

Über Umwege hörten mein Mann und ich, dass es dem Vater gar nicht gut ging und er nach Ausspruch des Malverbots in seiner Verzweiflung ins Elsass umsiedeln wollte. Wir wandten uns an den franzosischen Außenminister Schumann und dieser konnte veranlassen, dass Otto Pfeiffer aus der CSSR ausreisen durfte. Meine Mutter und ein Bruder blieben zurück, wohl wissend, dass der Vater nie wieder zurückkommen würde. Otto Pfeiffer war inzwischen fünfundsechzig Jahre alt und diese Umsiedlung fiel ihm gar nicht leicht. Nach einem Jahr Abwesendheit verloren die Tschechen die Geduld und meine Mutter war gezwungen, ihr Haus zu verlassen. Auch sie zog nach Lemberg (Lothringen) und mußte allerdings Hab und Gut in der CSSR zurücklassen. Inzwischen hatte mein Vater bei der Firma Heizmann eine Stelle als Designer gefunden. Er malte auch wieder und trotz der Schwierigkeiten dieser Zeit sind die Bilder froh und heiter und sonnendurchtränkt. Ich fragte mich später oft, wie es denn möglich sein konnte, dass ein Mensch, der so viel Leid erfahren hatte, so viel schönes schaffen konnte.
1949 - ein Jahr nach der Übersiedlung nach Lothringen, drängte man Otto Pfeiffer, dass er doch eine Ausstellung seiner Werke organisieren solle. Es ging ja immerhin um einen erneuten Anfang in der alten Heimat. Ich habe noch einen Artikel aus dieser Zeit, in dem geschrieben steht: 'Otto Pfeiffer besuchte die Akademie in Strassbourg und Wien, obwohl er selbst der Lehrer großer Meister hätte sein können'. Zu einer Ausstellung kam es jedoch leider nicht mehr. Der letzte Erfolg kam mit der Ausstellung seiner Entwürfe und Zeichnungen für die 'Cristallerie Lorraine' in Lyon. In den Zeitungen wurde er hochgelobt: 'Sprachlos blieben wir beim Eintritt in die Ausstellungsräume stehen, ein Künstler von Gottes Gnaden hat diese Glasstücke entworfen und viele eigenhändig bemalt, ein wahres Wunder'.
Jahre danach konnte ich mit viel Mühe eine Vase aufkaufen, doch als die Firma später Bankrott ging, hörte ich es zu spät. Die wertvollen Stücke wurden versteigert und die Sammlung damit in alle Winde verweht. Von Otto Pfeiffers erfolgreichem Leben ist uns durch seine Kunst viel erhalten geblieben.
Seine Bilder werden auch in der Zukunft viele Menschen erfreuen. Otto Pfeiffer starb 6. November 1955 in Sarreguemines, Lothringen.

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